Hermann Kronberger hat die Mentaltrainer-Ausbildung abgeschlossen und danach nichts damit verkauft. Er unterrichtet Steirische Harmonika — rund 50 bis 60 Schüler:innen, zwei Wartelisten. Was er gelernt hat, steckt seither in seinem Unterricht, in ein paar Zetteln auf dem Tisch und in sechs Tagen Wandern mit ausgeschaltetem Handy.
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Wolfgang setzt sich für diese Reihe mit Menschen zusammen, die vor Jahren bei ihm im Seminar waren, und stellt die unbequemste Frage, die es gibt: Hat das eigentlich etwas gebracht? Bei Hermann ist die Frage besonders scharf. Er hat kein Angebot, das er damit bewirbt, und keine Zahlen, die er vorzeigen müsste. Wenn er sagt, es bringt etwas, hat er nichts davon.
Die meisten Menschen, die über eine Mentaltrainer-Ausbildung nachdenken, kommen an derselben Stelle ins Stocken: Ich will keine Praxis, ich will keine Kunden, ich will kein zweites Standbein. Wozu dann? Hermann ist der Beleg dafür, dass die Frage falsch gestellt ist.
Vor allem anderen liegen bei Hermann schwere Jahre. Er sagt dazu genau einen Satz und lässt es dann stehen: „eine Herausforderung … und keine kleine.“ Details nennt er nicht, und wir fragen sie hier auch nicht nach.
Was er gesucht hat, war Ruhe. Also hat er sich im Internet zusammengelesen, was er finden konnte, und angefangen zu meditieren — ohne Kurs, ohne Anleitung, ohne dass ihm jemand gesagt hätte, ob das so richtig ist.
Zu Wolfgang kam er erst Jahre später, und aus einem ganz anderen Grund. Erst ein Seminar, dann noch eines, dann die komplette Ausbildung. Nicht, weil er sich davon etwas erwartet hätte, sondern weil er wissen wollte, warum das, was er längst tat, überhaupt funktioniert: „Ich hab schon gewusst, was mental was bewirken kann. Aber ich wollt wissen, wie das Gehirn funktioniert.“
Es gibt in diesem Gespräch keinen dramatischen Wendepunkt. Es gibt eine Kleinigkeit, die Hermann fast nebenbei erwähnt — und die erklärt, warum bei ihm nach drei Jahren noch etwas da ist und bei anderen nach drei Wochen nichts mehr. Er hat sich nach der Ausbildung das Wichtigste in Stichwörtern herausgeschrieben. Diese Zettel liegen noch immer da. Er liest sie durch, er sieht sich einzelne Videos wieder an, wenn er merkt, dass er abdriftet.
Kein Konzept-Vokabular, keine Modelle. Sätze, wie sie im Gespräch gefallen sind — von Hermann und von Wolfgang.
Hermann unterrichtet Steirische Harmonika an drei Standorten in Oberösterreich, unter anderem im Bezirk Ried und rund um den Attersee. Rund 50 bis 60 Schüler:innen, an zwei Standorten führt er Wartelisten. Sein Mentaltrainer-Diplom hängt im Musikerheim, dort, wo er unterrichtet. Es hängt da nicht als Werbung. Es hängt da, weil es dazugehört.
Wer zu ihm kommt, kommt wegen der Musik — und redet dann oft über etwas anderes. „Es geht nicht nur um Musik. Es geht um das Zwischenmenschliche mit dem Lehrer.“ Manche kommen inzwischen auch ohne Instrument vorbei.
Seine Beobachtung zum Spielen selbst: Beide Gehirnhälften sind beschäftigt, gleichzeitig — das passiert im Alltag sonst kaum. Und wer spielt, denkt in dem Moment weder an gestern noch an morgen. Er hat Firmenchefs unter seinen Schülern, die genau deshalb kommen.
Er hat außerdem ein Buch geschrieben, das er einigen zu lesen gegeben hat. Daraufhin kommen Leute zu ihm und wollen reden. „Und da kommt das Mentale schon viel vor.“
Am Ende des Gesprächs sagt Wolfgang den Satz, mit dem jede Folge dieser Reihe schließt — die Empfehlung für den Gast. Bei Hermann ist sie ungewöhnlich schlicht, weil es nichts zu bewerben gibt: keine Website, kein Profil, kein Angebot mit Preisschild. Nur Musikunterricht.
Drei Standorte in Oberösterreich, unter anderem im Bezirk Ried und rund um den Attersee. Eine Schnuppereinheit kostet nichts. An zwei Standorten gibt es Wartelisten — an seinem Heimatstandort nimmt er meistens noch jemanden. Er unterrichtet Kinder und Erwachsene; die ältesten Anfänger:innen sind weit jenseits der Pension.
Anfragen laufen ausschließlich per E-Mail.
Die E-Mail-Adresse wird aus Schutz vor Adress-Sammlern erst im Browser eingesetzt. Ohne JavaScript: bitte kurz über das Kontaktformular von RE-agieren schreiben, Wolfgang leitet weiter.Er hat nicht mit dem größten Schritt angefangen, und er hatte kein Ziel dabei. Er ist einmal hingegangen, weil es ihn interessiert hat, und dann wieder. Diese drei Wege gibt es heute — man kann sie in genau dieser Reihenfolge gehen.
Mentaltrainer, Inhaber des RE-agieren Instituts für Mentaltraining. Seit 2007 bildet er Mentaltrainer:innen aus — über 350 haben inzwischen ihr Diplom.
Im Gespräch mit Hermann wird er an einer Stelle deutlich: „Wischi-Waschi-Ausbildungen gibt es genug da draußen.“ Ihn stört das Schnell-schnell in seiner Branche. Hermann bestätigt es aus der anderen Richtung — er war am Anfang überfordert von dem, was er lesen und schreiben musste.
Die Reihe AUFGEGANGEN ist der Versuch, die eigene Arbeit ehrlich zu prüfen: Er setzt sich mit Menschen zusammen, die vor Jahren bei ihm waren, und fragt sie, was davon übrig ist. Sein eigener Maßstab dabei ist erstaunlich unökonomisch: „hoffentlich hinterlasse ich etwas, wo ich gar nicht dauerhaft davon profitieren kann.“
Wenn du überlegst, ob so eine Ausbildung für dich Sinn ergibt, obwohl du gar keine Praxis aufmachen willst: Hermann hat genau diese Frage beantwortet, ohne dass er etwas davon hat.
Die Mentaltrainer-Ausbildung ansehen →Jede Folge ist ein Mensch, der vor Jahren bei Wolfgang in der Mentaltraining-Ausbildung oder im Seminar war. Und jedes Mal dieselbe Frage: Hat das eigentlich etwas gebracht?